Meine Highlights sind definitiv die wöchentlichen Hausbesuche. Dort wird spürbar, wie Casa de Dios zu einer Veränderung von Einzelpersonen und Familien beiträgt, so dass aus einer Hütte mehr und mehr ein Zuhause wird.

Bernardinas Ehemann hatte vor einem Jahr einen Schlaganfall und ist seither gelähmt. Ihre 16 jährige Tochter kümmert sich um ihn, während Bernardina von früh morgens bis spät abends arbeitet, um einigermassen überleben zu können. Es gäbe die Möglichkeit, staatliche Unterstützung anzufordern. Doch Bernardina hat weder Zeit, Energie noch die nötigen Kenntnisse, um die aufwändigen administrativen Abklärungen zu unternehmen. Pedro hat nun nach einem sechsmonatigen Prozess erreicht, dass Bernardinas Ehemann eine IV-Rente erhält. Die regelmässigen Besuche, bei denen sie uns ihr Herz ausschüttet, sind für Bernardina aber fast noch wichtiger als die finanzielle Unterstützung.

Pedro (rechts), Celia (mitte), Nataly und ich sind das Team von Casa de Dios
Aktuell steht die Entscheidung an, welche Familien wir mit einer Aufbesserung ihrer Hütte unterstützen. Es ist schon schwer genug, die einzelnen Bedürfnisse gegeneinander abzuwägen. Dazu kommt, dass ich oft anders denke und kommuniziere als meine peruanischen Teamkollegen, was manchmal zu Missverständnissen und Spannungen führt. Während sie beispielsweise ihr Urteil in der Stabilität der familiären Beziehungen gründen, wäge ich vor allem die aktuellen materiellen Bedürfnisse ab. Es scheint aber, als könnten wir uns langsam einigen.
Als wir der ersten Familie von dem geplanten Umbau an ihrer Hütte erzählten, sagte die Mutter: „Natürlich freue ich mich, dass ihr an uns denkt. Aber warum nutzen wir nicht dieses Geld, um eine Hütte zu bauen, in welcher wir uns als Kirche treffen können?“ Es haut mich um, zu sehen, dass diesen Menschen ihr Glaube so viel bedeutet, dass sie trotz ihrer eigenen Bedürftigkeit zuerst an die Bedürfnisse der Kirche denken.

Ich weiss nicht, wer es leichter hat: Die älteren oder die jüngeren Geschwister. Die Grossen müssen meist auf die Kleinen aufpassen, da die Eltern arbeiten oder sich nicht um die Kinder kümmern. Da eine 11 Jährige aber verständlicherweise überfordert ist mit der Erziehung ihres kleinen Bruders, werden die jüngeren Geschwister nicht selten geschlagen und beschimpft. Vor kurzem habe ich eine Teenie-Mädels-Gruppe begonnen, um ihren persönlichen Sorgen und Träumen Raum zu geben.
